Geschichte

Mag. Jürgen Kornprobst

Im Jahre 1888 wurde in Straßwalchen der Sängerbund Straßwalchen gegründet. Es waren die Herren Oberlehrer Franz Winkler, Lehrer Moosleitner, der prakt. Arzt Kalteis, Hofmann August, Vicenz Karl, Kalchgruber Albert, Niehuber Rudolf, Feichtinger Hermann, Schernhammer Georg und Markus Widmann, die diesen Sängerbund ins Leben riefen.
Dazu gesellte sich im Jahre 1889 der junge Unterlehrer Josef Leimböck, der ein ausgezeichneter Sänger und Musiker war. Leimböck übernahm die Chormeisterstelle. Die Cooperatoren Johann Schneider und Johann Bacher sowie einige Beamte der Bundesbahn (damals natürlich der k.k. Staatsbahnen) wirkten ebenfalls
mit. Leimböck schaffte später einen gemischten Chor, wobei sich insbesonders als ausgezeichnete Sängerinnen Fräulein Anni Hofmann, später Frau Oberhuemer, und Fräulein Resi Hofmann, später Frau Scheffl, sowie die Handarbeitslehrerin Fräulein Anna Moosleitner erwiesen.

Mit welcher Liebe diese Sänger zu Werke gingen, zeigt uns ein Beispiel aus dieser Zeit. Der Lehrer Leimböck wurde 1892 zum Leiter der Schule in Berndorf ernannt und musste Straßwalchen verlassen. Trotzdem wirkte er im Sängerbund Straßwalchen weiter und machte jede Woche zweimal den weiten Weg von Berndorf nach Straßwalchen zu Fuß. Schulrat Leimböck starb als Direktor der Bügerschule St. Andrä in Salzburg.

Im Jahr 1895 wurde vom damaligen Sängerbund ein Gau-Sängerfest in Straßwalchen veranstaltet, an dem eine ganze Reihe von Gesangsvereinen aus Salzburg und dem angrenzenden Oberösterreich teilnahmen. Das Fest wurde im Gerblkeller, heutiger Mühlbauerkeller, Besitzer Willi Goldner, abgehalten und war von einer großen Bevölkerungsmenge besucht. Im Saale des Herrn Gerbl wurde ein Festabend veranstaltet, welcher das Fest fröhlich ausklingen ließ (…).

In der Folgezeit wurde alljährlich einmal ein vergnügter Abend in Straßwalchen vom Sängerbund veranstaltet, bei dem auch immer ein Lustspiel zur Aufführung kam. Einmal wirkte auch der Komponist der Salzburger Landeshymne, Ernst Sompek, mit.

Im Laufe des Ersten Weltkrieges löste sich der Sängerbund Straßwalchen auf.

Zwischen den Kriegen
Nach dem ersten Weltkrieg, in der Zeit von 1922, wurde in Fortsetzung des Sängerbundes die „Liedertafel Straßwalchen“ neu aufgestellt. Direktor Härtnagel und die Lehrer Watzke und Frauscher bauten dieselbe auf. Cooperator Schoßleitner wurde Chormeister. Eine große Anzahl von Geschäftsleuten, Beamten und Angestellten wirkten mit. Verschiedene Veranstaltungen mit lustigen Einlagen wurden abgehalten, die bei unserer Bevölkerung immer größten Anklang fanden.

Am 13. Februar 1940 wurde die Liedertafel Straßwalchen von der damaligen Behörde aufgelöst.

Die Dritte Gründung des Chorvereins
Die Wiedergründung der Liedertafel Straßwalchen
verzögerte sich nach dem Zweiten Weltkrieg.

Am 9.8.1948 wurde von den Herren Ernst Deutl, Josef Startmann, Alexander Karl und Michael Lixl der Grundstein zur Wiedergründung gelegt. Am selben Abend entstand auch das derzeitige Motto „Wo der Hainbach durch den Markt fließt, Straßwalchen seine Frauen grüßt, wo der Hainbach durch den Markt fließt, Straßwalchen seine Söhne grüßt“.

Unwissend von diesen Bestrebungen bemühte sich Herr Oberlehrer Hermann Delacher etwas später um dasselbe Ziel. Hermann Delacher war Chorleiter, Chorgründer und Komponist wie Sänger. Er bemühte sich um Volkslied und Volksmusik, wie dies auch Franz Paul Enzinger in Mitteilungen der Salzburger Landeskunde 152, Salzburg 2012, S. 254, beschreibt. Er sammelte um sich alle sangesfreudigen Männer und begann als Chormeister im Dezember 1948 mit den ersten Proben.

Durch die Mitarbeit oben angeführter Herren entstand in kurzer Zeit die jetzige Liedertafel Straßwalchen. Obwohl noch nicht behördlich angemeldet, nahm sie an verschiedenen Veranstaltungen mit Erfolg teil.
• so bei der 30-Jahrfeier der Liedertafel Schneegattern

• am 75-jährigen Gründungsfest der Liedertafel Seekirchen am 21. und 22. Mai 1950

• am Bundessängerfest der O.Ö.S.S.B. verbunden mit der 100-Jahrfeier der Liedertafel Vöcklabruck am 7. und 8.10.1950

• am 50-jährigen Gründungsfest des Liederkranzes Bad Reichenhall am 7. und 8. Juni 1952

• und an der 100-Jahrfeier der Liedertafel Prien am Chiemsee am 27., 28. und 29. Juni 1953.

Im September 1950 wurde als 1. Obmann der damalige Dentist Johann Swatzeck, als Obmannstellvertreter der Tischlermeister Ernst Deutl und später Bundesbahnangestellter Fritz Neuhofer gewählt. Nach dem Ableben der Herren Swatzeck und Neuhofer bekleiden die Herren Tierarzt Albert Koller und Ernst Deutl diese Ämter.
In gemeinsamer Arbeit wurden Vereinsstatuten aufgestellt und am 2.2.1954 wurde die Liedertafel Straßwalchen bei der Behörde angemeldet.

Am 8.3.1954 fand die erste Jahreshauptversammlung im Vereinslokal Gasthaus Huber, am 3.4.1954 eine öffentliche Wiedergründungsversammlung im Gasthof Gugg statt.

Auszug aus dem Protokoll der
ersten Jahreshauptversammlung 1954
Protokoll
aufgenommen bei der 1. Jahreshauptversammlung der Liedertafel Straßwalchen am 8. März 1954 im Gasthaus des Herrn Huber.
Vorsitzender: Albert Koller
Anwesende: Alle in die Vereinsliste eingetragenen Mitglieder.

Tagesordnung
1. Eröffnung der Jahreshauptversammlung
durch den prov. Obmann.
2. Eintragung der Mitglieder in das Vereinsbuch.
3. Wahl der Vereinsvorstehung.
4. Kassabericht.
5. Wahl des Vereinslokals.
6. Allfälliges.

1. Herr Albert Koller begrüßte die Anwesenden und eröffnete als prov. Obmann die Jahreshauptversammlung. Anschließend verlas er das Schreiben der Sicherheitsdirektion für das Bundesland Salzburg von 5.2. 1954. Zl. 875/54, demzufolge die Bildung der Liedertafel Straßwalchen genehmigt wurde, sowie die Vereinsstatuten.

2. Mitglieder der Liedertafel Straßwalchen:
Delacher Hermann, Bartol Ignaz, Vicenz Josef, Deutl Ernst, Stallinger Ferdinand, Schinwald Josef, Feichtner Franz, Lugstein Alois, Wernly Rudolf, Koller Albert, Zapf Alfred, Manetzgruber Ludwig, Seeger Franz, Hofmann August, Huber Franz, Wallinger Alois, Singer Walter, Stempfl Jakob, Thalhammer Andreas, Passauer Franz, Wagner Franz, Wimmer Roman, Karl Alexander, Lixl Michael, Lixl Anton, Emhofer Fritz.

3. Nachstehend angeführte Herren wurden in die Vereinsvorstehung gewählt:
Obmann: Albert Koller
Obmann Stellvertreter: Ernst Deutl
Chormeister: Delacher Hermann
Chormeister Stellvertreter: Singer Walter
Kassier: Bartol Ignaz
Kassier-Stellvertreter: Thalhammer Andreas
Schriftführer: Wernly Rudolf
Archivar: Stempfl Jakob
Die gewählten Herren erklären, die Wahl anzunehmen.

4. Kassabericht
Nach der Wiedergründung der Liedertafel war im Jahre 1950 ein Barvermögen von ÖS 200,- vorhanden, welche von der Gemeinde gespendet wurden.
Durch vier Maskenbälle, welche die Liedertafel in den Jahren 1951 – 1954 veranstaltet hatte, vergrößerte sich die Summe auf ÖS 9.538,-.

Durch Spenden der Gemeinde und verschiedener Personen wurden ÖS 1.000,- eingebracht, somit sind an Einnahmen bis zum heutigen Tage ÖS 10.538,- vorhanden. Laut Beschluß der heutigen Jahreshauptversammlung wird von aktiven Mitgliedern kein Mitgliedbeitrag eingehoben.

Dem gegenüber stehen an Ausgaben, welche für Ballauslagen, Notenmaterial, Hochzeitsgeschenke, Kränze für verstorbene Mitglieder und Reisegeld verwendet wurden ÖS 7.687,77.
Nach Abzug der Ausgaben ist heute ein Barvermögen von ÖS 8.850,23 vorhanden.

5. Die Liedertafel Straßwalchen wählte zum Vereinslokal das Gastlokal des Herrn Huber, in dem jeden Montag die Proben stattfinden sollen.

6. Der Obmann, Herr Koller, dankte allen Erschienenen, ganz besonders aber all jenen, die sich um die Wiedergründung der Liedertafel Straßwalchen verdient gemacht haben. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich der neu gegründete Verein durch fleißige Probenarbeit noch weiter ausbilden möge zur Freude aller Sängerfreunde und zum Wohle unseres Marktes.

Wernly Rudolf (Schriftführer)
Koller Albert (Obmann)
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Liedertafel Straßwalchen zu einem großen und aktiven Verein mit 50 Chorsängern und war aus dem kirchlichen und kulturellen Leben in der Gemeinde nicht mehr wegzudenken.

Auszug aus der Chronik, Jahresbericht 1962:
„Am 24. August sangen wir aufgrund des 500-jährigen Bestandsjubiläums der Markterhebung im Kriechbaumsaal einige Chöre bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Festwoche. Am 25. August sangen wir bei der Einweihung der neuen Schule das von unserem Chormeister Hermann Delacher neu komponierte Lied „Lobgesang“.“

Am 21. und 22. September 1963 fanden die 75-Jahrfeiern mit 22 Vereinen aus dem Land Salzburg, Oberösterreich und Bayern statt.
Das mitgliederstärkste Jahr war das Vereinsjahr 1966/67, damals sangen 53 Männer in der Liedertafel.



1988: 100 Jahre Liedertafel
Die Krönung des bisherigen Vereinslebens unter dem langjährigen Obmann Helmut Lixl und Chorleiter Manfred Karl war die 100-Jahrfeier der Liedertafel im Juni 1988, an der 16 Vereine teilnahmen. Sogar ein Chor aus Bingen am Rhein war angereist.

„Mit Musik ins Wochende“ – Sepp Forcher besucht die Liedertafel Straßwalchen. Die Aufnahme für eine Sendung im ORF (Radio Salzburg) fand am 17. Juni 1988 statt.

Krisen und Aufbruchsstimmung
Doch danach begannen für die Liedertafel schwierige Zeiten. Sänger der dritten Gründergeneration, viele davon Stützen und Säulen des Vereins, verließen die Liedertafel für immer. Durch Austritte aus Gesundheits- und Altersgründen und durch Todesfälle reduzierte sich die Liedertafel gehörig. Der absolute Tiefpunkt war jedoch das Jahr 1999. Der Tod unseres Obmanns Dkfm. Helmut Lixl nach langer Krankheit und der plötzliche Verlust unseres verdienten Chorleiters Manfred Karl und einiger anderer Sänger stürzte die Liedertafel in eine Krise, „in ein tiefes Loch des Verzagens“, so der Chronist Gerald Pollheimer. In einem Artikel in den Flachgauer Nachrichten vom 23. November 2000 war zu lesen: „Der 28-köpfige Chor stand bereits mehrmals kurz vor der Auflösung.“
Die damaligen Vereinsspitzen erklärten, die Ämter nur befristete Zeit ausüben zu können, man möge so bald als möglich Nachfolger finden. Doch keiner fand sich. In einer Krisensitzung erklärte sich Simon Kornprobst
schließlich als einziger bereit, die Obmannschaft zu übernehmen und wurde einstimmig gewählt.
Mit vereinten Kräften wurde ein neuer Chorleiter, Mag. Christoph Holz, engagiert. Die Proben begannen mit lockerer und lockernder Gymnastik, der neue Chorleiter stellte sich als motivierend und fordernd heraus, er spornte die Sänger zu Höchstleistungen an.
Phrasierung und Akzentuierung wurden besonders herausgearbeitet. Noch nie wurde in so vielen Sprachen ge-
sungen. Wir sangen unter anderem in Russisch, Spanisch, Italienisch, Englisch, Bantu und sogar auf Innviertlerisch. Mit dem neuen Konzept vom „Fest der Chöre“, ein Kon-zert mit einem anderen Chor und nach musikalischen
Schwerpunkten gegliedert, wurden viele Besucher angelockt.
Neue und zeitgemäße Literatur wurde einstudiert, kreative Konzertkonzepte wurden umgesetzt, der musikalische Anspruch ist gestiegen, neue Sänger konnten gewonnen werden und die Kooperation mit anderen Chören und Musikgruppen wurde ausgebaut.
Mitte November 2000 begann Christoph Holz, als junger 23-jähriger Magister, bei uns, der „Liedertafel Straßwalchen“, als Chorleiter.

Gerald Pollheimer berichtet aus dieser schwierigen Zeit:
„Nach dem im Jahr davor unser Obmann, Dipl. Kfm. Helmut Lixl (59 Jahre), und dann wenige Monate später unser langjähriger Chorleiter, Manfred Karl (58 Jahre), den irdischen Lebensweg beendet hatten, war die „Liedertafel“ in eine hoffnungslose Situation gekommen.
Der Gesangsbetrieb wurde mit Personen aus den eigenen Reihen, welche die Rolle des Chorleiters übernahmen, einigermaßen aufrecht erhalten. Unser damaliger Obmann Dr. Richard Kladensky ergriff nun die Initiative, da ein Weiterkommen ohne geeigneten Chorleiter nicht sinnvoll war. Mit Hilfe seiner Frau Silvia, welche im BORG-Salzburg als Lehrerein tätig war, konnte ein Chorleiter ausfindig gemacht werden, eben Christoph Holz.
Ein Glücksgriff wie es sich in der Folge herausstellte. Christoph Holz, ein im Salzburger Mozarteum ausgebildeter Musikpädagoge, bei den Andorfer Chören groß geworden, war zur Stelle und übernahm das Amt des Chorleiters. Er besitzt nebst seinen besten Musikkenntnissen auch diplomatische und pädagogische Eigenschaften, welche zu einem harmonischen Zusammenhalt im Vereinsleben beitragen.
Etwa zur gleichen Zeit übernahm auch Simon Kornprobst in dankenswerter Weise die Funktion
des neuen Obmannes. Dieses Duo ermöglichte nun ein wirksames Arbeiten und den Beginn einer neuen Ära. Aufbruchstimmung war eingekehrt. Ein breitgefächertes Musikprogramm, wie Werke großer Meister, Volkslieder, Spirituals, aber auch moderne Popsongs sind in unserem Repertoire und dies ermöglicht es uns, fortwährende Aktivitäten durchzuführen. Dieselben haben neben dem Bekanntheitsgrad auch die Sicherheit und Freude am Singen hervorgerufen“.

Der Chor ist seitdem höchst aktiv. Proben finden wöchentlich und fast immer vollzählig statt. Die Liedertafel lädt alljährlich zu mehreren Konzerten und hat schon zwei Tonträger studiotechnisch aufgenommen. Auch grenzüberschreitende Chorfreundschaften werden gepflegt.

Konzerte
Neben den traditionellen Konzerten am Muttertag beziehungsweise im Frühjahr gab es fast jedes Jahr ein Adventkonzert. Seit 1945 wird jedes Jahr am Heiligen Abend am Kriegerdenkmal gesungen.
Und auch heute noch treffen und versammeln sich die Straßwalchner am 24.12. alljährlich am Marktplatz, um nach Weihnachtsliedern einer Bläsergruppe und der Liedertafel gemeinsam „Stille Nacht“ zu singen. Dieser alljährliche Auftritt der Liedertafel ist schon zur offiziellen Weihnachtsfeier am Heiligen Abend in Straßwalchen geworden. Alljährlich gibt es sowohl traurige Anlässe als auch erfreuliche Gelegenheiten zu singen: Begräbnisse und Hochzeiten.

Der Beginn einer Tradition
„Ein weiteres schönes Erlebnis gegen Ende des Vereinsjahres war der 24. Dezember. Wir trafen uns um ca. 15.30 Uhr im Altenheim Straßwalchen am Krankenbett (von) unserem lieben Sangesbruder Ignaz Bartol und sangen speziell für ihn ein „Stille Nacht“.
Wir erregten damit die Aufmerksamkeit der anderen Heimbewohner und entschlossen uns kurzer Hand noch ein „Stille Nacht“ zu singen. Unter dem Beifall und dem Wissen einigen Menschen Freude gemacht zu haben verließen wir das Seniorenheim und stärkten uns unter der wie immer vorzüglichen Bewirtung von Steffi. Auch Steffi (Gerbl) sangen wir als Dank für ihre Bemühung ebenfalls ein „Stille Nacht“. Danach gedachten wir der während des Jahres verstorbenen Vereinsmitglieder Helmut Lixl, Jakob Stempfl und Manfred Karl (am Friedhof bei ihren Gräbern).
Danach sangen wir traditionellerweise zwei Weihnachtslieder und ein „Stille Nacht“ unter Unterstützung der Bläsergruppe.“

Ein Chor besteht aus Menschen, die gerne singen. Ungezählt sind die Lieder, die die Liedertafel bei verschiedenen Gelegenheiten spontan gesungen hat.
Wie oft ist es schon vorgekommen, dass eine Abordnung der Liedertafel ein Chormitglied im Krankenhaus, Kurhaus oder Rehab-Zentrum besucht und gesungen hatte. Damit wurde nicht nur dem Sangesbruder, sondern allen Anwesenden Freude bereitet.

Ausflüge
Schon in den ersten Nachkriegsjahren organisierte die Liedertafel alljährlich einen gemeinsamen Ausflug. Vor der Massenmotorisierung war das gar nicht so selbstverständlich. Sehr häufige Ziele waren die Weinregionen Österreichs. Dort wurden neben den Kehlen auch die Trinklieder erprobt. Und auch andere Chöre wurden besucht, einer der weitesten Chorausflüge in diesen Jahren führte nach Ulm.

Später wurden auch Fernreisen unternommen, wie zum Beispiel nach Valencia in Spanien im Jahre 2006.

Der Liedertafel-Ball
Höhepunkt der Faschingszeit war oft der Ball der Liedertafel, nicht nur für die Mitglieder der Liefertafel, sondern auch für die Besucher.

Am 21.1.1956 fand der erste Ball unter dem Motto „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein – Das soll des Festes Devise sein“ statt.
Die Karten schienen billig zu sein: 10 Schilling im Vorverkauf, 12 Schilling an der Abendkasse.

Die Liedertafel war stets im Fasching bei Umzügen und Faschingssitzungen dabei.

Den Besuchern wurde Abwechslung geboten, jedes Jahr wurde der Ball unter ein anderes Motto gestellt.

Eines der ersten Fotos eines Balles, trotz des Schwarzweiss-Fotos kann man das bunte Treiben erahnen.

Und auch Fußballmannschaften stellte die Liedertafel Straßwalchen auf, die sich auch als sportlich erfolgreich erwiesen:

Das Probenlokal
Bis 1976 befand sich das Probenlokal im Gasthaus Huber – dort sind heute die Apotheke zum Heiligen Martin und Optik Sturm – dann wurde ein Lokalwechsel notwendig.

„Seit der Wiedergründung der Liedertafel nach dem Zweiten Weltkrieg, also 28 Jahre, wurden die Gesangsproben im Gasthaus Huber abgehalten. Mit der Schließung des Gasthausbetriebs war ein Lokalwechsel notwendig. Bei einer durchgeführten Wahl entschieden sich 90% der Sänger für das Gasthaus des Sangesbruders Fr. Gerbl.“

Damals wurde auch die erste elektrische Orgel für das Probenlokal angeschafft.

Singen macht durstig und hungrig, die gute Bewirtung durch Gerbl Steffi war mit ein Grund, dass viele gesellige Abende weit über Mitternacht andauerten. Die Frage „Host a Tortn für mi?“ war vom Chorleiter nach jeder Probe zu hören.
2007 wurde das neue Probenlokal in der Öko-Hauptschule Straßwalchen bezogen. Durch die großzügige Unterstützung der Gemeinde, vieler ortsansässiger Firmen und nicht zuletzt durch den Fleiß der Chormitglieder beim Umbau konnte ein geeigneter Raum geschaffen werden.

Obleute der Liedertafel Straßwalchen

Obmann
1948 inoffiziell Ernst Deutl, Josef Start-
mann, Alexander Karl und Michael
Lixl
1954 Albert Koller, zunächst provisorisch,
dann gewählt
1955 – 1957 Walter Singer
1957 – 1961 Andreas Thalhammer
(Pfarrer und erzbischöflicher Rat)
1961 – 1985 Alexander Karl
1985 – 1997 Diplomkaufmann Helmut Lixl
1997 – 1999 Dr. med. vet. Richard Kladensky
1999 – 2012 KR Simon Kornprobst
2012 – heute Johann Mathé (interimistisch)

Chorleiter/Chormeister
1948 inoffiziell Hermann Delacher
1954 – 1962 Hermann Delacher
1962 Pankraz Felber
1962 – 1965 Karl Rehak (ehem. Chormeister
der Liedertafel Neumarkt)
1965 – 1973 Hermann Delacher
1973 – 1999 Manfred Karl
1999 Peter Mittendorfer interimistisch,
Manfred Mayer
Seit 22.11.2000 Dr. Mag. Christoph Holz
(September 2006 – September 2007 Horst Deutl während des Englandaufenthalts von Christoph Holz)

Ehrenmitglieder der Liedertafel waren Walter Singer, ein Obmann, der die Jahreshauptversammlungen alljährlich mit einem musikhistorischen Vortrag bereicherte; Karl Rehak, ein Chormeister, der auch die Liedertafel Neumarkt dirigierte, und Friedrich Gugg, langjähriger Bürgermeister von Straßwalchen, Bundesrat, Kammerpräsident und großer Gönner der Liedertafel. Alexander Karl war mit 24 Jahren der bisher längstdienende Obmann. Der Chormeister Hermann Delacher, der die Liedertafel über Jahrzehnte musikalisch leitete, wurde mit dem einmaligen Titel „Ehrenchormeister“ geehrt.
Frieda Huber wurde 1963 Fahnenmutter.

Ein froher Sang hat guten Klang,
drum pflegen wir ihn lebenslang.
Motto aus dem Jahre 1888

Die Gründungsmitglieder 1954
Delacher Hermann Bartol Ignaz
Vicenz Josef Deutl Ernst
Stallinger Ferdinand Schinwald Josef
Feichtner Franz Lugstein Alois
Wernly Rudolf Koller Albert
Zapf Alfred Manetzgruber Ludwig
Seeger Franz Hofmann August
Huber Franz Wallinger Alois
Singer Walter Stempfl Jakob
Thalhammer Andreas Passauer Franz
Wagner Franz Wimmer Roman
Karl Alexander Lixl Michael
Lixl Anton Emhofer Fritz

Quellen:
Handschriften:
Liedertafel Straßwalchen: Chronik Band I.
Liedertafel Straßwalchen: Chronik Band II.

Druckschriften:
Enzinger, Franz Paul: 150 Jahre Liedertafel Neumarkt am Wallersee. 1862 – 2012. Neumarkt 2012.
Enzinger, Franz Paul: Volksliedbegeisterung weitergegeben: Hermann Delacher – Ein Lebensbild. Mitteilungen der Salzburger Gesellschaft für Landeskunde 152. Salzburg 2012. S. 254.
Flachgauer Nachrichten vom 23. November 2000.
Herrn Mag. Jürgen Kornprobst ist für die akribisch zusammengestellte Chronik zu danken.
Er hat zudem für Interessierte eine wertvolle Literaturliste angefertigt.

Chorreisen und Auftritte 1999 – 2012
Außer den alljährlichen Frühlings- und Adventkonzerten nahm der Chor an folgenden Wettbewerben bzw. Konzerten teil und fungierte als Konzertveranstalter:

Juni 1999:
Teilnahme am Sängerfest in Tamsweg.

Mai 2000:
Teilnahme am Sängerfest in Oberweißburg.

Jänner & Februar 2002:
Auftritt bei der Faschingssitzung in Straßwalchen.

August 2002:
Gast-Chorkonzert mit dem „Parajoti Academy Chorus“ / Bombay, Indien.

Mai 2002:
Auftritt beim „Fest d. Chöre“ in Andorf und Straßwalchen.

Oktober 2002:
Div. Kurzauftritte in Florenz und Siena im Rahmen des Chorausfluges in die Toskana / Montecatini.

März 2003:
Auftritt bei den Judo-Staatsmeisterschaften in Straßwalchen / Bundeshymne (1.500 Besucher).

Juni 2004:
Wienausflug mit div. Kurzauftritten / Musikverein (Goldener Saal), Mozartgrab (St. Marxer Friedhof), Schweizerhaus.
Juli 2005:
Auftritt beim „Straßwalchner Tag“ im Freilichtmuseum Großgmain.
November 2005:
Auftritt bei den Judo-Staatsmeisterschaften in Straßwalchen / Bundeshymne.

Mai 2006:
Konzertreise nach Spanien / Auftritte in Valencia und Bocairent.

Juni 2006:
Tournee-Konzert in Straßwalchen mit dem Programm der Spanienreise.

Dezember 2006:
Auftritt im ORF-Landesstudio Sbg. für „Licht ins Dunkel“.

Dezember 2007:
Auftritt bei der „Alpenländischen Chor-Weihnacht“ der AGACH in Murnau am Staffelsee.

September 2008:
Teilnahme am Chorwettbewerb „Oberösterreich singt“ in Ried im Innkreis im Rahmen der Internat. Musikfachmesse, Bewertung „sehr gut“.

Oktober 2008:
Konzert für die Charity-Vereinigung „Soroptimistinnen Gmunden“.

Oktober 2008:
Gast-Konzert des Uni-Chors Perugia, Italien, in Straßwalchen.

April 2009:
Auftritt bei der Tagung des CHVOÖ im Schloss Traunkirchen.

Mai 2009:
Konzert und CD-Präsentation (CD „Unerhört“) mit dem „Coro Minimo“ aus Belluno, Italien.

Oktober 2009:
Teilnahme am Wertungssingen in Andorf, Bewertung „sehr gut“.

April 2010:
Probenwochenende mit dem „Friedl Chor Linz“ in Rosenberg, Tschechien.

Mai 2010:
Chor-Konzert „Holzwerkstatt“ mit dem „Friedl Chor Linz“ in Dornach, Linz.

Juni
2010:
Chor-Konzert „Holzwerkstatt“ mit dem „Friedl Chor Linz“ in Straßwalchen.

April 2011:
Kirchenkonzert mit der „Musikkapelle Rottenmann“ in Rottenmann.

Mai 2011:
Kirchenkonzert mit der „Musikkapelle Rottenmann“ in Straßwalchen.

Oktober 2011:
Teilnahme am „Regionalchortag des CHVOÖ“ in Taufkirchen an der Pram, Bewertung „sehr gut“.

November 2011:
Teilnahme am Chorseminar Kuchl.

Februar 2012:
Mitgestaltung der drei Faschingssitzungen in Irrsdorf.

Juni 2012:
Teilnahme am Chorwettbewerb in Verona, Italien, Bewertung „sehr gut“; Schlusskonzert in der Arena di Verona.

März 2013:
Teilnahme am Gemeinschaftskonzert der Trachtenmusikkapelle Straßwalchen mit allen Straßwalchner Chören.



Unser neues Probenlokal
Alfred Wolff

Als wir im Herbst 2006 nach der erholsamen Sommerpause mit der Probenarbeit begannen, ereilte uns die Nachricht von unseren Wirtsleuten Steffi und Fritz Gerbl, dass sie mit Jahresende 2006 den Gasthausbetrieb einstellen wollen. Nach ca. 30 Jahren Chorprobe und vielen gemütlichen Stunden traf uns diese Nachricht nicht ganz unvorbereitet, aber trotzdem hatten wir keinen Ersatz zur Hand. Nun begann die Suche, soll es ein anderes Gasthaus werden oder bemühen wir uns um einen neutralen Raum, jedenfalls fanden viele Gespräche statt. Letztendlich entschieden wir uns für einen Raum im Keller der Öko-Hauptschule, einem ehemaligen Abstellraum in Nachbarschaft des Judotrainingsraumes. Dadurch konnten wir nach der Probenarbeit in eines unserer vielen Straßwalchner Gasthäuser pilgern, um somit mehr Breitenwirkung und Öffentlichkeit zu erwirken.
Die Idee zu diesem Raum ist auch vom Gebäudewart Alois Mayrhofer mitgeboren worden. Jedenfalls standen wir zu Jahresbeginn 2007 in einem Kellerraum zwischen Betonwänden und unter Lüftungskanälen mit einer nicht idealen Akustik, und keiner konnte sich vorstellen, dass dies ein heimeliges Probenlokal werden könnte. Allein die 80 m⊃2; gefüllt mit ca. 20 Sängerstimmen ließen erahnen, dass wir auf dem richtigen Weg waren.
Unser Sangesbruder Bartl Kranabetter begann mit einer Einrichtungsplanung, und langsam entstand auf Plänen ein ganz annehmbarer Probenraum. Doch ohne Geld konnte weder Einrichtung, noch Podest, Zwischenwand, Beleuchtung, Schränke, abgehängte Decke und Bodenbelag angeschafft werden.
So probten wir fast ein Jahr mit viel Phantasie in diesem Raum. Zu der Zeit war unser Chorleiter Dr. Christoph Holz in England auf einem „Auslandsjahr“, die Chorleiterarbeit ist in dieser Zeit von unserem Chorleiterstellvertreter Horst Deutl wahrgenommen worden, wofür wir ihm sehr dankbar sind, denn ohne ihn wäre das eine sehr große Bewährungsprobe für unsere Liedertafel geworden.
Im November 2007 fiel der Startschuss. Über Einsatz unserer Vizebürgermeisterin Liselotte Winklhofer erhielten wir eine zweckgebundenen Förderung von E 17.000,- für Ausbau und Ausstattung unseres Probenraums von der Marktgemeinde Straßwalchen. Mit vielen Stunden Eigenleistung aufgebessert entstand langsam ein richtiger Probenraum.
Im April 2008 konnten wir dann unser Probenlokal eröffnen. Zu diesem Anlass, welcher auch mit unserem 120-jährigen Bestehen und mit der Produktion unserer neuen CD zusammenfiel, feierten wir mit vielen Gästen. Unser Obmann Simon Kornprobst begrüßte dazu unseren Bürgermeister Fritz Kreil, Vitzebürgermeisterin Liselotte Winklhofer und sogar den Präsidenten des Oberösterreichischen Sängerbundes Herrn Mag. Hans Holz. Unser Pfarrer Norbert Nauthe segnete unser Probenlokal auf guten Klang. So feierten wir mit vielen fördernden und ehemaligen Mitgliedern unsere neuen Räumlichkeiten.
Mit viel Arbeit, wobei jeder Sänger seine handwerklichen Fähigkeiten und Kontakte eingebracht hat, entstand ein Raum, mit ausgezeichneter Akustik, den wir auch herzeigen können und uns Sänger jeden Mittwoch nach der Chorprobe auch wieder in eines unserer Straßwalchner Gasthäuser zu einer gemütlichen Runde entlässt.
Der Dank gilt besonders der Gemeinde Straßwalchen für die Beistellung des Raumes und die Förderung der Ausbaukosten. Ohne diese Unterstützung wäre die Realisierung unserer neuen Heimstätte nicht möglich gewesen.